Geringqualifizierte bilden sich nach wie vor deutlich seltener weiter

Analysen auf Basis des Nationalen Bildungspanels zeigen, dass Häufigkeit und Inhalte von Weiterbildung je nach Bevölkerungsgruppe stark variieren. So nehmen Geringqualifizierte deutlich seltener an Weiterbildungen teil. Auch bestehen große Unterschiede in den Weiterbildungsinhalten zwischen Männern und Frauen.

Lernen über die Schul- und Berufsausbildung hinaus gewinnt zunehmend an Bedeutung, denn den Beschäftigten wird stärker denn je Flexibilität abverlangt. Weiterbildung wird damit immer häufiger zur unabdingbaren Voraussetzung für das berufliche Fortkommen. Dies gilt insbesondere in einem zusehends durch technologischen Wandel und Globalisierung geprägten Arbeitsmarkt. Die Betriebe setzen auch deswegen verstärkt auf Weiterbildung, um dem demografischen Wandel und den sich daraus ergebenden Fachkräfteengpässen entgegenzutreten.

Lebenslanges Lernen ist jedoch nicht nur für den Arbeitsmarkt wichtig, sondern auch für die (soziale) Teilhabe an unserer Gesellschaft. Die Covid-19-Pandemie zeigt mehr denn je, dass beispielsweise digitale Kenntnisse auch im privaten Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnen, etwa um soziale Kontakte zu pflegen.

Insbesondere Personen mit niedrigem Bildungsabschluss nehmen seltener an Weiterbildungen teil. Dies gilt sowohl für non-formale Weiterbildungskurse als auch für informelles Lernen. Eine gezielte Förderung dieser Gruppe erscheint sinnvoll, da sich deren vielfach unbefriedigende Arbeitsmarktposition durch eine verstärkte Weiterbildung tendenziell verbessern ließe. Zudem zeigt sich, dass sich die unterschiedlichen Personengruppen inhaltlich unterschiedlich weiterbilden. Besonders deutlich wird dies an den verschiedenen Weiterbildungsinhalten von Frauen und Männern.

Die Erfahrungen in der Covid-19-Pandemie bestätigen, dass Menschen beruflich wie privat von stetiger Weiterbildung profitieren. Vor allem digitale Kenntnisse sind heute wichtiger denn je. Mit der Pandemie hat sich ein großer Teil des beruflichen wie des sozialen Lebens in den virtuellen Raum verlagert. Dies gilt auch für berufliche und private Weiterbildungen.

Dabei bleibt zu untersuchen, wie sich diese Verschiebung auf die Weiterbildungsteilnahme unterschiedlicher Personengruppen während und nach der Pandemie auswirkt: Aufschlussreich sind hier erste Ergebnisse einer aktuellen Studie von Martin Ehlert und anderen. Sie nutzt Daten aus der regulären NEPS-Erwachsenenbefragung sowie aus einer Zusatzerhebung im Mai und Juni 2020. Demnach hat die berufliche Nutzung von digitalen Lernangeboten in den ersten Monaten der Pandemie zwar zugenommen, allerdings scheinen erneut vor allem Personen mit hohem Bildungsabschluss davon zu profitieren. Politik und Wirtschaft sind daher mehr denn je gefordert, Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss zu verstärkter Weiterbildung zu motivieren. Denkbar ist etwa eine bessere Aufklärung über bestehende Angebote und Formate, die besser auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind.

Quelle: IAB-Forum


veröffentlicht auf weiterbildung-mv.de
12.11.2021