Fortbildung als überzeugende Erwerbs -, Verdienst - und Karriereperspektive
Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
Die Höhere Berufsbildung ist ein eigenständiger Bildungsweg, der auf einer anerkannten Berufsausbildung aufsetzt und in Analogie zu Bachelor- und Masterabschlüssen an Hochschulen eigenständige berufliche Karriereperspektiven eröffnet.
Personen, die eine berufliche Fortbildung absolvieren, können damit anspruchsvollere Fach-, Steuerungs- und Führungsaufgaben übernehmen. Für Fortbildungsabsolventinnen und -absolventen besteht ein hoher Bedarf am Arbeitsmarkt. Dies gilt insbesondere für IHK-Fortbildungsabschlüsse. So übersteigt in den IHK-typischen Fortbildungsberufen seit dem Jahr 2022 die Zahl der offenen Stellen die Zahl der Fortbildungsabsolventinnen und -absolventen. Inzwischen fehlen dort rechnerisch 12.544 Fachkräfte, knapp 60 Prozent davon auf Spezialistenniveau. Ein Grund dafür ist die sinkende Absolventenzahl. Denn im Jahr 2024 waren nur noch 98.184 Teilnahmen an beruflichen Fortbildungsprüfungen zu verzeichnen; was einem Rückgang von knapp 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1992 entspricht. Der demografische Wandel wird diese Fachkräftelücke voraussichtlich weiter vergrößern, da nun die besetzungsstarken BabyboomerJahrgänge in Rente gehen.
Der Rückgang bei den Absolventenzahlen überrascht insofern, als mit einem Fortbildungsabschluss zahlreiche individuelle Vorteile für Beruf und individuelle Zufriedenheit verknüpft sind. So sind etwa die Einkommensperspektiven von Personen mit Fortbildungsabschluss deutlich besser als von Personen ausschließlich mit Berufsausbildung und liegen nahe an denen akademisch Qualifizierter: Der Median des Bruttostundenlohns liegt bei 26,78 Euro, gegenüber 19,93 Euro bei Personen mit Berufsausbildung. Der Einkommensvorsprung beträgt damit 34,4 Prozent. In IHK-Berufen steigt das Medianentgelt vom Fachkraft- zum Spezialistenniveau im Durchschnitt um 32,2 Prozent. Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen erreichen zwar mit 28,57 Euro und Universitätsabsolventinnen und -absolventen mit 30,81 Euro ein noch höheres Einkommen, doch rund ein Drittel der Fortgebildeten verdient mehr als der Median von Universitätsabsolventinnen und -absolventen. Zudem sind sie seltener arbeitslos. Die konkrete Bildungsrendite hängt dabei stark von Beruf, Branche und Tätigkeitsniveau ab.
Fortbildung eröffnet zudem vielfältige Karrierewege. So übernehmen Personen mit Fortbildungsabschluss häufiger Personal-, Fach- und Budgetverantwortung als Personen mit Berufsausbildung ohne Fortbildung. 39,0 Prozent tragen Budgetverantwortung gegenüber 26,7 Prozent der Vergleichsgruppe. Damit liegen sie auf einem ähnlichen Niveau wie Akademikerinnen und Akademiker. Karriere zeigt sich dabei auch außerhalb der Führungshierarchie: Fortgebildete erreichen häufig größere Entscheidungsspielräume und Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem sind sie überdurchschnittlich häufig selbstständig: 13,8 Prozent der Erwerbstätigen mit Fortbildungsabschluss arbeiten auf eigene Rechnung.
Insgesamt verbinden IHK-Fortbildungsabschlüsse somit gute Beschäftigungs- und Verdienstperspektiven mit erweiterten Verantwortungsmöglichkeiten, Selbstständigkeit und hoher Arbeitszufriedenheit. Damit sprechen die Ergebnisse dafür, Fortbildung als gleichwertige, eigenständige Aufstiegsoption stärker sichtbar zu machen und intensiver zu bewerben. Dazu gehören eine bessere Information über Karriereperspektiven und den vorhandenen Arbeitsmarktbedarf, mehr Durchlässigkeit für Hochschulerfahrene sowie Studienabbrecherinnen und -abbrecher sowie weniger bürokratische Hürden bei der Beantragung von Förderleistungen nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
veröffentlicht auf weiterbildung-mv.de
26.10.2026